Herr Kurz von der Molkerei überprüfte die Kalkulation und konnte unseren EK um 6 cts. senken, die wir voll weitergeben (bei der Wochenaktion nur um 5 cts, weil die Kalkulation bisher zu knapp war). Unser Ziel ist jedoch nicht eine weitere Preissenkung (der Abstand bisher war zu groß), sondern eine größtmögliche Transparenz und ein größtmöglicher Ertrag für die Landwirte!
Das Logo findet man im Netz nur beim neugegründeten Genossenschaftsladen in Lustnau!
Die aktuelle Preissenkung durch Aldi (andere folgen) für Vollmilch auf 49 cts (incl. MWSt) im Supermarkt an Verbraucher vergrößert den Abstand zur Biomilch weiter: unser EK als Großhandel liegt bei über dem Doppelten, unser VK an unsere Kunden bei 0,99 bis 1,10; auch die größten deutschen Biogroßhändler nehmen mind. 0,80 + MWSt = 0,86 von ihren Händlern und empfehlen einen VK an Verbraucher von mind. 1,05.Soweit ist die Biowelt noch in Ordnung: bewußte Verbraucher bezahlen mehr, damit bei den Biobauern in der Region mehr ankommt, für Landschaftspflege, Umweltschutz, Qualität unter verschiedensten Aspekten, z.B. geringe Transportwege, traditionelle Anlagen (das Milchwerk Tübingen insgesamt kann nicht mehr als € 1,- Erinnerungswert in der Buchhaltung haben) etc.
Kritisch wird es jedoch, wenn der Auszahlungspreis an die Biobauern seit Herbst um ca. 25% gesunken ist, Sie als Kunde und Ihre Kunden, die Verbraucher, davon jedoch nichts mitbekommen. Wir haben davon auch nichts gemerkt, unser Preis ist leider auch gleich geblieben - unsere Milch-Buchhaltung machen wir gerne öffentlich, so traurig sind die Spannen in diesem Geschäft.
Das Regional-Argument hat seine Berechtigung verloren, wenn ein Flaschenhals-Betrieb (Milchwerk) seine gefühlte Monopolsituation mißversteht und windfall-profits einstreichen möchte - ganze VWL-Bibliotheken können davon berichten, daß dies keine auf Dauer erfolgreiche Strategie sein kann.
Wir sind darüber im intensiven Gespräch mit dem Milchwerk Tübingen: unserer Ansicht nach helfen in dieser Situation nur neue Denkansätze aus dem Internet- oder Fairhandels-Business, nämlich Transparenz, fairer, partnerschaftlicher Umgang, Zertifizierung von Sozialstandards, eine Wertewelt, die natürlich vom Ursprung her gelebt und kommuniziert werden und durch unabhängige Institutionen (Presse, Zertifizierung, Beirat, Verbände wie foodwatch, BUND etc.) beglaubigt werden muß.
Wir sehen für das Milchwerk Tübingen hier große Chancen: eine stärker konzentrierte, bewußtere Kundschaft als Tübingen gibt es in Deutschland an nicht mehr vielen Orten; eine kürzere, übersichtlichere Lieferkette als Wankheim + Weilheim + Waldhausen nach Tübingen, von dort an den Europaplatz und in den Vogelbeerweg kann den Marketing-Fritzen nicht mehr gezeigt werden - sollen die doch was draus machen; eine drängendere Situation als Tübingen, wo Alnatura seine faire Milch aus Usseln (meine Frau kommt aus der Ecke und der Schwager milkt dort 80 Kühe, leider konventionell) direkt am Produktionsort der Tübinger Molkerei verkauft, ist kaum vorstellbar.
Wir sind gespannt, wie das Milchwerk in dieser Situation reagiert; der Milchmarkt ist zu stürmisch und die Kunden zu leicht von anderen Konzepten zu begeistern, als daß "Aussitzen" helfen würde. Wenn wir durch Pressearbeit, Denkanstöße und unsere (zu) günstige Verteilung diesen Fortschritts-Prozeß unterstützen können, sind wir gerne dabei!
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen